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Geschichte


Geschichte von Leienkaul


Es waren Bergleute, die Ende des 18. Jahrhunderts in der Nähe ihrer Arbeitsstelle eine typische Bergarbeitersiedlung gründeten und sie Leienkaul nannten. Ihre Arbeitstelle, das waren die Schiefergruben an der Ostseite des Kaulenbaches und am Oberlauf des Sesterbaches in der Gemarkung von Laubach. Als Name für die neue Siedlung übernahm man die Flurbezeichnung "Auf den Leyenkaeulen", die sich aus dem vorgermanischen Wort "Lei (Lay,Lai)" für Stein oder Fels und dem mundartlichen Wort "Kaul" für Grube zusammensetzt.

Die Arbeit in den Gruben war für die Bewohner der umliegenden Dörfer die Haupteinnahmequelle. Die Bodenbeschaffenheit in den Orten Müllenbach und Laubach bot äußerst schlechte Bedingungen für Ackerbau und Viehzucht. Steiniges bis felsiges Gelände mit wenig tiefgründigem Boden brachten bei schwierigsten Arbeitsbedingungen nur wenig Ertrag, der nicht ausreichte, um die meist großen Familien zu ernähren. Landwirtschaft wurde im Nebenerwerb betrieben und war hauptsächlich die Arbeit der Frauen und minderjährigen Kinder.
Die Männer und älteren Jungen waren an sechs Tagen in der Woche jeweils 12 Stunden in der Grube beschäftigt. Und nach diesen 12 Stunden ging es zu Hause aufs Feld. Der allgemeine Gesundheitszustand der damaligen Bevölkerung war mehr als desolat. Zu Armut und außerordentlich harter und gefahrvoller Arbeit kam noch eine kaum vorhandene ärztliche Versorgung, so dass die Lebenserwartung der Erwachsenen bei 50 bis 60 Jahren lag und die Kindersterblichkeit bei 40% bis zum fünften Lebensjahr. Schon viele junge Menschen starben an Tuberkulose.

So sahen die normalen Lebensbedingungen aus, als der erste Schieferarbeiter sich ein Haus in der Nähe der Grube "Colonia" am Kaulenbach baute. Viele folgten seinem Beispiel: Männer aus Müllenbach, Laubach und anderen umliegenden Dörfern; Bergleute von Mosel und Hunsrück, die von den dortigen Schiefergruben ins Eifelrevier wechselten. Schließlich kamen auch noch Emigranten aus den belgischen Ardennen und Nordfrankreich, die während der französischen Revolution aus ihrer Heimat geflüchtet waren. Ihre Nachfahren sind heute noch an ihren eingedeutschten Familiennamen zu erkennen: Buschwa, Allar, Gorges, Lefev, Gilles, Regnier etc.

Die ersten Tagebaugruben befanden sich am Sesterbach. Später begann man im Sesterbachtal, im Endertbachtal, im Heipenberg und auf dem Kaulenberg Stollen in den Berg zu treiben. Teilweise waren die Gruben in Privatbesitz, wobei allerdings oft mehr als 100 Personen aus einer Familie Eigentümer waren. Es herrschte permanente Armut, sowohl bei den Grubenarbeitern, als meist auch bei den Grubenbesitzern. Die Arbeiter bekamen nur geringe Löhne für äußerst harte Arbeit, und die Gewinne der Besitzer blieben gering durch hohe Transportkosten, die dadurch entstanden, daß der Schiefer mit Pferdefuhrwerken nach Klotten befördert werden mußte, zur Verschiffung auf der Mosel. Kleinbetriebe mussten aufgegeben werden und wurden von Leienhändlern aus Klotten und Cochem aufgekauft. Um 1900 gab es schließlich nur noch drei größere Betriebe, nämlich "Maria Schacht", "Colonia Schacht" und das "Müllenbacher Dachschieferwerk (Härewiss)".
1898, die Eifeleisenbahn von Mayen nach Gerolstein hatte 3 Jahre zuvor ihren Betrieb aufgenommen, wurde die Arbeit in den Gruben etwas leichter. "Maria Schacht" und "Colonia" beförderten den Schiefer jetzt mit Maschinenkraft aus den Gruben. "Colonia" legte einen Schienenstrang bis nach Müllenbach, auf welchem der Schiefer in kleinen, von Pferden gezogenen Wagen befördert wurde. "Maria Schacht" baute 1907/08 einen Schienenweg zum Eisenbahngleis am Masburger Wald, der hinter der "Wolfsburg" verlief. Zur gleichen Zeit baute das "Müllenbacher Dachschieferwerk" eine von einem Dieselmotor getriebene Bahn, welche den Schiefer aus dem Kaulenbachtal den steilen Kaulenberg hinauf beförderte.

1922 ging die Grubenanlage "Maria Schacht" für 1,5 Mio. Mark in den Besitz der Gebrüder Rother über. 1928 wurden "Colonia" und "Härewiss" geschlossen. Viele junge Leute suchten sich andere Arbeitsstellen und zogen aus Leienkaul fort.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 1959 beendeten Naturgewalten den Schieferabbau am Kaulenbach und Sesterbach. Schneeschmelze und Wassereinbrüche hatten binnen einer Nacht die drei Grubensohlen der letzten noch aktiven Grube "Maria Schacht" überflutet und Werkzeuge, Maschinen und Sprengmittel vernichtet. Selbst die eingesetzten Pumpen konnten die bergmännische Katastrophe nicht verhindern. Der Betrieb wurde eingestellt. Die "Koulemänner" mussten sich neue Arbeit suchen.

Das abrupte Ende der Schiefer-Ära konnte den Leienkaulern nur kurzzeitig etwas anhaben. Neue Arbeit fanden die ehemaligen Bergarbeiter vor allem bei der Bundeswehr, die für die Standorte Büchel und Ulmen zu Beginn der 60er Jahre einen erhöhten Personalbedarf decken musste. Auch in der Dienstleistungsbranche kamen die Leienkauler unter. Die attraktive landschaftliche Lage sorgte zudem dafür, dass die Einwohnerzahl nicht sank.

Aus der ehemals ärmlichen Bergarbeitersiedlung mit seinen erbarmungswürdigen Behausungen ist heute ein schmucker, liebenswerter und lebendiger Ort geworden, auf den die Leienkauler mit Recht stolz sein können.


Quellen:
Gründerjahre und die Zeit danach, Werner Schumacher
So lebte man auf der Leienkaul gestern - so lebt man heute, Thomas Brost
Geschichte von Leienkaul, Thomas Welter

Zusammenfassung von Hildegard Schlichter, Leienkaul 2008